SONDERAUSSTELLUNG - MUSEUM BURGSTÄDT
HUGO TÜRPE 1859-1891
Die Musikwelt ehrt ihre berühmten Künstlerpersönlichkeiten. Aber viele, die auch Musikgeschichte in ihrer Zeit geschrieben haben, sind heute allgemein unbekannt oder oft nur noch einem kleinen Kreis Interessierter vor Augen....

Einer von ihnen ist der zum Ende des 19. Jahrhunderts weltbekannte Cornet a Pistons-Virtuose Hugo Türpe, dessen 111. Todestages wir in diesem Jahr gedenken.
Hugo Türpe erblickte am 3. September 1859 in Mohsdorf bei Burgstädt als achtes Kind des Strumpfwirkers Carl Ferdinand Türpe und seiner Frau Amalie (geb. Horn) das Licht der Welt.

Die Chronisten berichten über ihn:
Schon frühzeitig entwickelte sich bei dem Kinde eine überdurchschnittliche musikalische Begabung; die Musik schien ihm in die Wiege gelegt zu sein. Der Vater, seines Zeichens auch Dorfmusiker, erkannte das Talent seines jüngsten Sohnes und ließ ihm Trompetenunterricht geben. 1874 trat Hugo Türpe die Lehre bei Stadtmusikdirektor Grau in Mittweida an.
Grau war überzeugt, es hier mit einem zukünftigen Genie zu tun zu haben. Überall wo die Stadtkapelle in den 1870er Jahren auftrat, begeisterte Hugo Türpe das Publikum mit seinem meisterhaften Können.

Hier wurde auch der einflußreiche Musiker Böhme auf das junge Talent aufmerksam und empfahl es dem Gewerbe-hausmusikdirektor Mannsfeld in Dresden, der dann alsbald Türpe in sein Orchester aufnahm. Es dauerte auch hier nicht lange und der Virtuose wurde zum ausgesprochenen Liebling des Dresdener Konzertpublikums.
Im Jahre 1881 erhielt der nun schon „Meister des Pistons“ Genannte die ehrenvolle Berufung an die von Benjamin Bilse geleitete Kaiserlich-königliche Kapelle zu Berlin.

Es begann eine Zeit ausgedehnter Konzertreisen sowohl in Deutschland wie auch im europäischen Ausland. Überall wo das Orchester gastierte, sorgte Hugo Türpe mit seiner unübertroffenen Meisterschaft auf dem Cornet á Pistons für ausverkaufte Häuser.

Tafel 1

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Tafel 2

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Tafel 3

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Tafel 4

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Das musikliebende Publikum überschüttete ihn mit Beifall und Ehrungen, es konnte ihm nicht oft genug zuhören.
Allein im Amsterdamer Grand Theater trat er in über fünfzig Vorstellungen nacheinander vor sein Publikum.

Doch auch mit vielen großen Persönlichkeiten traf Hugo Türpe in diesen Jahren zusammen. In Erfurt begegnete er 1883 dem bekannten Komponisten und Klavier-Virtuosen Franz Liszt: er war voll des Lobes über die meisterhafte Technik, mit der Türpe sein Instrument beherrschte.

Ob in höchsten Kreisen oder beim „einfachen“ Publikum, überall zollte man dem Künstler Hochachtung, war fasziniert vom virtuosen Spiel, rief Ihn zu etlichen Zugaben auf die Bühne

Wo Hugo Türpe auch auftrat, er feierte wahre Triumphe und wurde zum Liebling der Musikbegeisterten.
1886 unternahm Hugo Türpe in Begleitung seiner 69jährigen Mutter (der Vater war bereits 1879 verstorben) eine große Amerika-Tournee. Er gastiert in vielen Städten der Vereinigten Staaten und überall kannte die Begeisterung der Amerikaner für ihn und sein Spiel keine Grenzen.

Seine Konzerte führten ihn sogar bis an den Hof des Kaisers von Brasilien. Zeitungen berichteten von Gastspielen in Australien und auf den Westindischen Inseln...
Doch alle Ehrerbietung und ein fürstliches Einkommen konnten ihn nicht an Amerika binden. Wieder zurückgekehrt trat er ab 1889 mit dem Burgstädter Stadtmusikchor unter Leitung von Clemens Graupner auf und unternahm wiederum Konzertreisen in Sachsen und ganz Deutschland.

Auf einer dieser Tourneen – in München – erkrankte er plötzlich und mußte die Reise abbrechen.
Die harte Arbeit mit oft mehreren Konzerten pro Woche und das unstete Leben forderten ihren Tribut.

Tafel 5

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Tafel 6

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Der Initiator der Ausstellung, André Teichmann im Heimatmuseum zu Burgstädt

Jahreswechsel 1890/91:
Hugo Türpe trat ans offene Fenster, ergriff sein Instrument und die bekannte Melodie Nesslers aus dem Trompeter von Säckingen „Behüt dich Gott, es wär so schön gewesen – behüt dich Gott, es hat nicht sollen sein...“ erklang hinaus in die sternenklare Neujahrsnacht. Ahnte der Todkranke, dass es das letzte Mal war, dass er sein geliebtes Cornet erklingen ließ?...

Am 2.Juli 1891 erlag Hugo Türpe im Alter von 31 Jahren seinem schweren Leiden: Tuberkulose und Erschöpfung, so lauteten die Feststellungen des Arztes Dr. Pohl.
Unter den Klängen des Stadtmusikchors fand seine
Beisetzung auf dem Burgstädter Alten Friedhof statt...
Dort erinnert heute nichts mehr an ihn, Grabstätte und Stein wurden bereits im vorigen Jahrhundert beseitigt...
Hugo Türpe war nicht nur ein hervorragender Cornet-Virtuose, er schuf auch eigene Kompositionen speziell für „sein“ Instrument, das Cornet á Pistons.
Genannt seien hier nur die Ocean-Fantasie, Fantasie Virtuoso, Fantasie für Cornet in A „Appassionata“, Nocturno für Harfe und Cornet.
Als Noten-Handschrift ist heute bisher lediglich seine
„Fantasia Appassionata“ in einer Bearbeitung des Trompeters Richard Stegmann , der das Werk nochmals 1912 mit dem Tonhalle Orchester Zürich aufführte, vorhanden.

Damals „Publikumsrenner“ und oft gespielt,
sind diese Melodien heute leider unbekannt...

Aller Ruhm und Reichtum, alle Weltmännigkeit und ausgedehnten Konzertreisen ließen Hugo Türpe seine Heimat und ihre Menschen nicht vergessen. Zeitgenossen berichten über ihn, dass er stets bescheiden, gegen jedermann freundlich und äußerst großzügig und freigiebig gewesen sei.
Anlässlich seines Todestages eröffnet das Stadtmuseum Burgstädt am 6.Juli 2002 diese Sonderausstellung.
Die Ausstellung ist bis zum Oktober 2002 jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr – und außerhalb dieser Zeiten nach Voranmeldung unter ( 03724 / 3468 – zu besichtigen.

Bilder, Dokumente und Sachzeugnisse aus dem Leben und Wirken Türpes sollen Zeit und Person anschaulich werden lassen.
Voraussichtlich zu Ende dieser Ausstellung ist die offizielle Gründung der „Hugo-Türpe-Gesellschaft“ geplant, die sich zum Ziel setzen wird, Leben und Wirken Türpes weiterhin und umfassender zu erforschen.
Text: Beyer/Teichmann Fotos: Archiv HTG

Die Ausstellung unterstützen u.a.:
Museumsverein Burgstädt, Eva und Lothar Beyer;
Dipl.-Ing. André Teichmann, Architekt, Burgstädt
(Ausstellungskonzeption, Recherche, Gestaltung);

Dr. Edward H. Tarr, Trompetenmuseum Bad Säckingen;
Friedel Keim, Autor „Das Trompeter-Taschenbuch“, Mainz;
Prof. J.-G. Güntzel, Benjamin Bilse Gesellschaft, Detmold;

Bruno Wildemann, Leihgabe Türpe-Cornet, Freiberg;
Kreisarchiv Wechselburg / Landratsamt Mittweida;
Stadtverwaltung und Ev.-Luth. Pfarramt Burgstädt

Kontakte:
Museumsverein Burgstädt, Herr Beyer 03724 / 3468
André Teichmann , Burgstädt 03724 / 2939
und im Internet
www.hugo-tuerpe.de
www.museum-burgstaedt.de

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